Ratgeber · Sicherheit & Normen

Geländer-Höhe nach DIN 18065 — Vorschriften 2026

Treppe, Balkon, Galerie: Welche Höhe ist Pflicht, welcher Stababstand erlaubt, was passiert bei Verstößen? Praxiswerte für deutsche Bauten.

Lesezeit: ca. 8 Minuten Aktualisiert: 11.05.2026 Autor: TGA Metal Redaktion

Kurzantwort: Im Wohnbau gilt 90 cm Mindesthöhe für Geländer bis 12 m Absturzhöhe — darüber 110 cm. Stababstand max. 12 cm (Kugelmaß), wenn Kinder Zugang haben. Horizontale Last: 0,5 kN/m im Wohnen, 1,0 kN/m im Öffentlichen. Glas darf nur als VSG (Verbundsicherheitsglas), nie als pures ESG, verwendet werden. Diese Werte stammen aus DIN 18065 (Treppen), DIN EN 1991-1-1 (Lasten) und der Landesbauordnung.

Glas-Geländer mit Edelstahl-Profil — DIN-konform

Ein Geländer ist mehr als nur ein optisches Element — es ist die Trennlinie zwischen Sicherheit und Absturz. In Deutschland regeln drei Normen alle relevanten Maße: DIN 18065 (Treppen), DIN EN 1991-1-1 (Lasten auf Tragwerke) und die jeweilige Landesbauordnung. Wer baut, ohne sie zu kennen, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern im schlimmsten Fall menschliche Tragödien. Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Werte zusammen.

Wann brauche ich überhaupt ein Geländer?

Geländerpflicht entsteht ab einer Absturzhöhe von 1,00 m. Konkret heißt das:

Im Vorgarten oder am ebenerdigen Eingang braucht es kein Geländer. Maßgeblich ist immer die maximale Absturzhöhe, gemessen vom höchsten möglichen Stand- oder Aufenthaltspunkt bis zur tieferen Ebene.

Geländer-Höhe — alle Werte in einer Tabelle

AnwendungAbsturzhöheMindesthöhe GeländerQuelle
Treppe Wohnenbis 12 m90 cmDIN 18065
Treppe Wohnenab 12 m110 cmDIN 18065
Balkon / Loggiabis 12 m90 cmLBO + DIN 18065
Balkon / Loggiaab 12 m110 cmLBO + DIN 18065
Galerien / Brüstungbis 12 m90 cmLBO
Galerien / Brüstungab 12 m110 cmLBO
Öffentliche Treppen100 cmASR A1.8
Industriebau / Gewerbe110 cmASR A1.8
Fenster-Absturzsicherungab 1 m80–90 cm BrüstungLBO

Die Höhe wird von der Vorderkante der Trittstufe (bei Treppen) bzw. von der fertigen Fußbodenoberfläche (bei Balkonen, Galerien) gemessen — nicht vom Rohboden.

Stababstand — was ist „Kindersicher"?

Die 12-cm-Regel ist die wichtigste Sicherheitsvorschrift: In allen Bereichen, die für Kinder zugänglich sind (Wohnungen, Schulen, Kitas, öffentliche Plätze), darf zwischen senkrechten Geländerstäben kein Kugel mit Ø 12 cm hindurchpassen.

Der Hintergrund: Der Kopf eines Kleinkinds ist ca. 10–11 cm breit. Wenn ein Kind den Kopf durchsteckt, könnte es nicht zurück und sich strangulieren (oder hindurchklettern). 12 cm ist die internationale Sicherheitsmarke (auch DIN EN 13200-3, Stadionnorm).

💡 Wichtig: Horizontale Stäbe (Querstreben) sind in Wohnbereichen verboten, weil Kinder daran hochklettern können („Leiter-Effekt"). Erlaubt sind nur senkrechte Stäbe, Glas, Lochblech oder enge horizontale Seile (≤ 5 mm).

Tragfähigkeit — welche Last muss das Geländer aushalten?

Nach DIN EN 1991-1-1 muss das Geländer am Handlauf horizontalen Druck aushalten:

NutzungskategorieHorizontale Last (kN/m)Beispiel
A — Wohnen0,5 kN/mEinfamilienhaus, Wohnung
B — Büro0,5 kN/mBürogebäude
C1 — Restaurant, Café1,0 kN/mGaststätte, Bistro
C2 — Schule, Hörsaal1,0 kN/mKita, Schule, Hochschule
C3 — Foyer, Bahnhof1,0 kN/mEingangshalle, Wartebereich
D — Verkaufsfläche1,0 kN/mEinzelhandel, Supermarkt
E — Lager / Industrie2,0 kN/mWerkhalle, Logistik

0,5 kN/m = ca. 50 kg Druck pro Meter Geländerlänge. 1,0 kN/m = 100 kg. Wichtig: Diese Last muss in jeder Richtung (vorwärts, rückwärts, seitlich, von oben) gehalten werden — auch bei einseitig angreifender Belastung.

In der Praxis bedeutet das: Pfosten alle 80–120 cm, fest verankert (Punkthalter mit M12-Bolzen, Stahldübel oder einbetoniert). Bei frei stehenden Glas-Geländern (ohne Pfosten) wird die Last in den Bodenanker des Glasträger-Profils geleitet.

Material-Wahl: was ist DIN-konform?

Stahl — der Klassiker

Geländer aus Stahl (feuerverzinkt + pulverbeschichtet) sind in jeder DIN-Klasse einsetzbar. Pfostenstärke ab 40×40 mm im Wohnbau, ab 60×60 mm im öffentlichen Bereich. Standardlebensdauer: 30+ Jahre ohne Wartung.

Edelstahl — für Außenbereich & Designanspruch

V2A (1.4301) reicht für Binnenland, V4A (1.4404) für Küstenklima oder Schwimmbäder. Polierte Oberfläche, schweißbar. Teurer als Stahl, aber wartungsfrei für Generationen.

Glas — modernes Design, strenge Regeln

Glas-Geländer müssen aus Verbundsicherheitsglas (VSG) bestehen: zwei Glasscheiben (typisch je 6 mm ESG = teilvorgespannt) mit PVB-Folie verklebt. Pures ESG ist verboten — beim Bruch fällt die ganze Scheibe in tausende Krümel, das Geländer wäre weg.

Vorgeschriebene Glasdicken (TRAV-Regel):

Aluminium — leicht und wartungsfrei

Aluminium ist wie Stahl in jeder DIN-Klasse einsetzbar, aber wegen der geringeren Festigkeit braucht es stärkere Pfostenmaße (mind. 50×50 mm). Vorteil: kein Rost, deutlich leichter (1/3 von Stahl), wartungsfrei.

Schmiedeeisen — klassische Optik

Auch klassische geschmiedete Geländer können DIN-konform sein. Wichtig: die Stababstände einhalten (≤ 12 cm), Ornamente dürfen keine „Kletter-Hilfe" sein. Wir empfehlen Schmiedeeisen vor allem für Altbauten und Restaurierungen.

Häufige Fehler beim Geländer-Bau

  1. Zu niedrig. Faustregel: lieber 5 cm zu hoch als 1 mm zu niedrig. Bei späterer Kontrolle = Rückbau auf eigene Kosten.
  2. Horizontale Stäbe im Wohnbereich. „Schaut elegant aus" — ist aber bei Kindern verboten. Konstruktionsfehler #1.
  3. Stababstand > 12 cm. Beim Kontroll-Kugeltest fällt das sofort auf.
  4. Unterdimensionierte Pfosten. Wer 25×25 mm Vierkant verbaut, sieht beim ersten echten Drücken Beulen.
  5. ESG statt VSG. Häufig bei DIY-Glasgeländern aus dem Baumarkt — illegal, gefährlich.
  6. Falsche Verankerung. Holzdübel im Außenbereich. M8 statt M12 in Beton. Punkthalter ohne ausreichende Kantenabstände.
  7. Edelstahl V2A im Küstenklima. Pittings nach 2 Jahren. Immer V4A für Küste.

Geländer abnehmen lassen — wer prüft?

Bei privaten Wohnungs- und Hausbauten gibt es keine offizielle Geländer-Abnahme. Die Verantwortung liegt beim Bauherrn / Architekten. Bei Gewerbe-, Schul- und Krankenhausbauten prüft der Bauprüfer / Bauaufsichtsbehörde die Einhaltung der ASR und DIN-Vorgaben.

Im Schadensfall (z. B. Sturz von einem zu niedrigen Geländer) prüft die Versicherung anhand der DIN-Werte. Wer unter DIN baut, hat keinen Versicherungsschutz.

Geländer nach Maß — DIN-konform planen lassen

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Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein DIN-konformes Geländer pro Meter?

Preise hängen stark vom Material ab: Stahl pulverbeschichtet 90–180 €/m, Edelstahl V2A 200–380 €/m, Glas-Geländer (mit Edelstahl-Profil) 350–650 €/m, Schmiedeeisen klassisch 250–450 €/m. Inklusive Montage rechnen Sie nochmal +30 €/m. Die Statik-Berechnung kostet 0 € bei Einzel-Projekten von TGA Metal.

Kann ich ein altes Geländer auf moderne Normen aufrüsten?

Ja — durch Verlängerung des Handlaufs nach oben (z. B. von 90 cm auf 110 cm bei Altbauten mit hoher Absturzhöhe) oder durch Nachrüsten zusätzlicher Stäbe (gegen zu großen Stababstand). Beides ist als Montage am bestehenden Pfosten möglich, kostet 80–150 €/m und vermeidet Komplett-Ersatz.

Was ist mit Geländer-Glas im Garten (Pool, Teich)?

Geländer am Pool unterliegen der Bauordnung wie jedes andere Geländer (90/110 cm Höhe). Bei reinen Sichtschutz-Glas-Elementen im Garten gibt es keine Geländer-Vorschrift, dafür aber den Bebauungsplan (Höhe, Material). VSG ist auch hier empfohlen — bei Bruch sicher.

Brauche ich einen Handlauf?

Bei Treppen ab 6 Steigungen: ja, beidseits (oder mind. einseitig bei breiten Treppen). Im Wohnbau reicht ein Handlauf, sofern eine Wand vorhanden ist. Höhe des Handlaufs: 80–110 cm (DIN 18065). Bei barrierefreien Gebäuden: zwingend in 85 cm und 65 cm Höhe (2 parallele Handläufe für Erwachsene + Kinder/Rollstuhlfahrer).

Sind „französische Balkone" auch geländerpflichtig?

Ja, sobald die Brüstungsschiene über 1 m Absturzhöhe geht. Die Brüstung selbst muss 90 cm hoch sein und alle DIN-Vorgaben (Stababstand, Last) erfüllen. Bei Glas-Brüstungen ist VSG Pflicht.